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updated: 2026-03-23T16:20:40.087Z
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updated: 2026-03-23T17:58:57.017Z
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summary: Über den “richtigen” Umgang mit der Corona-Pandemie wird gestritten und debattiert. Über den richtigen Umgang mit den rechtsoffenen Corona-Demos herrscht jedoch eine seltsam anmutende und verstörende Einigkeit.
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related: https://blog.giersig.eu/articles/murnauer-dialektik/
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mpUrl: https://blog.giersig.eu/articles/perspektiven-auf-die-corona-demos/
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permalink: /articles/perspektiven-auf-die-corona-demos/
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@@ -36,7 +37,7 @@ Dieser Preis ist grundsätzlich und vor allem durch die vom Staate zugestandene
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Es gab im Großen und Ganzen zwei Ausnahmen von dieser als Ausgangsbeschränkung getarnten Ausgangssperre: die Versorgung mit Lebensmitteln - und die Arbeit. Nur ein gut genährter Arbeiter kann Mehrwert erzeugen. Über die Befriedigung der Grundbedürfnisse hinausreichend arbeitete man seit über einem Jahrhundert[^1] daran, das Einkaufen und Shopping zu einer freiheitlichen Betätigungen zu machen. Recht erfolgreich, möchte ich an dieser Stelle anmerken. {SIDENOTE: Darauf werden wir beim Versuch, den Begriff der Freiheit zu fassen, welcher im Zusammenhang mit diesen Corona-Demos immer wieder aufblitzt, noch zurück kommen.}
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Während also die Wenigen, die Wohlhabenden, sich überhaupt nicht um die Ausgangsbeschränkung scherten, und während der ständig um Aufstieg bemühte Mittelstand und Teile des akademischen Prekariats sich im Homeoffice einrichtete und sich zuvorderst mit der verschlafenen Digitalisierung herumschlug, ging der Großteil der Menschen von der Pandemie völlig unbeeinträchtigt ihrer Arbeit nach. Gerade so, als ob das Virus vor den Werken und Büros Halt mache. Erste zögerliche Stimmen aus der Wissenschaft meldeten, dass sich das Virus nun, da alle Zuhause blieben, wohl über die Landkreisgrenzen vor allem durch [[2020-09-24 Studie - Berufspendler haben Verbreitung des Coronavirus in Deutschland verstärkt|Pendler]] verbreite. Wissend, dass die Maschine auch in pandemischen Zeiten laufen muss und es dazu eben Menschen und vor allem das ihm wohlbekannte “Blut, Schweiß und Tränen” braucht, um die Räder und Rädchen der Maschine zu schmieren, nahm die Regierung möglichst wenig Kenntnis von der Erkenntnis, dass womöglich gerade die tägliche Arbeit ein Verbreitungsweg des Virus sei.
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Während also die Wenigen, die Wohlhabenden, sich überhaupt nicht um die Ausgangsbeschränkung scherten, und während der ständig um Aufstieg bemühte Mittelstand und Teile des akademischen Prekariats sich im Homeoffice einrichtete und sich zuvorderst mit der verschlafenen Digitalisierung herumschlug, ging der Großteil der Menschen von der Pandemie völlig unbeeinträchtigt ihrer Arbeit nach. Gerade so, als ob das Virus vor den Werken und Büros Halt mache. Erste zögerliche Stimmen aus der Wissenschaft meldeten, dass sich das Virus nun, da alle Zuhause blieben, wohl über die Landkreisgrenzen vor allem durch Pendler verbreite. Wissend, dass die Maschine auch in pandemischen Zeiten laufen muss und es dazu eben Menschen und vor allem das ihm wohlbekannte “Blut, Schweiß und Tränen” braucht, um die Räder und Rädchen der Maschine zu schmieren, nahm die Regierung möglichst wenig Kenntnis von der Erkenntnis, dass womöglich gerade die tägliche Arbeit ein Verbreitungsweg des Virus sei.
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Wohl ein Versehen war auch die eigens geschaffene Möglichkeit, sich telefonisch beim Arzt eine Krankmeldung einzuholen - um jeden Kontakt mit Arzt oder Patienten zu vermeiden. Unglaublich, wie fürsorglich der Vater Staat plötzlich sein konnte! Doch schon nach kurzer Zeit wurde diese Regelung auch schleunig wieder zurückgenommen - die Kosten-Nutzenabwägung erbrachte wohl negative Folgen für das Kapital. Da geht man lieber das Risiko einer Ansteckung ein, als dem Volk eine solche Waffe in die Hand zu geben.
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@@ -48,7 +49,7 @@ Die Krankenhäuser standen naturgemäß unter besonderer Beobachtung, schließli
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Ein besonderes Augenmerk bei den großen Erzählungen um Schließungen und Öffnungen galt die Jüngsten, den Kindern, den Schülern. Jedoch, wie sollte es anders sein in einer Gesellschaft, die sich auch sonst kaum um die unproduktiven Teile ihrer Selbst schert und diese wann immer möglich wegschließt, ging es nicht um die Kinder und Schüler als Menschen, sondern um sie als Überträger des Virus, als Zwischenwirte, als gefährliche Infektionsträger und vor allem um die nun geschlossenen Verwahranstalten, welche den Eltern sodann einiges an Mühsal abverlangten. Diese Mühen bezogen sich einerseits auf den Zustand, dass die Kinder nun den ganzen Tag zu Hause sind und man sich mit ihnen Beschäftigen muss, sie auch noch selbst “beschulen” sollte, um ihre noch jungen Karrieren in der Verwertungsmaschine nicht zu gefährden. Welch Wehklagen der Eltern war da zu vernehmen. Durch die Presse geisterte eine Zeitlang gar das geflügelte Wort einer “verlorenen Generation”. Das Beschäftigen und Beschulen der eigenen Kinder bringt natürlich mit sich, dass ein Elternteil nun nicht gleichzeitig Arbeiten gehen und Kindererziehung leisten kann. Insofern schadeten plötzlich die Kinder der Maschine, indem sie die Eltern davon abhalten, Mehrwert und Reichtum für die Wenigen zu erwirtschaften. Die Zukunft blockiert die Zukunft - eine der vielen Paradoxien dieser Gesellschaft, die uns die Pandemie aufgezwungen hat, aus den theoretischen Debatten herauszuschneiden und in die Realität zu setzen.
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Wieder standen die Menschen am Rande und das wirtschaftliche Funktionieren des zerbrechlichen Systems im Zentrum der Regierungshandelns. Währenddessen fragte sich die NZZ, wie man die [[2020-04-03 Die NZZ will wissen “Wie senkt man die Kosten pro Leben?”|Kosten pro Leben senken könnte]].
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Wieder standen die Menschen am Rande und das wirtschaftliche Funktionieren des zerbrechlichen Systems im Zentrum der Regierungshandelns. Währenddessen fragte sich die NZZ, wie man die Kosten pro Leben senken könnte.
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## CoronaSkeptiker, Leugner und Demonstranten
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@@ -56,7 +57,7 @@ Warum also gehen so viele auf die Straße und demonstrieren gegen die “Corona-
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Wir dürfen bei all der vielschichtigen Betrachtung einiges nicht vergessen: die Menschen sind es gewohnt, von Politikern belogen zu werden. Nicht nur in Zeiten des Wahlkampfes, sondern täglich. Jeder einzelne Skandal und jedes Skandälchen aktualisiert dieses Wissen auf’s Neue. Darüberhinaus wissen wir, dass Konzerne aller Art uns, also den Staat, betrügen, wo sie nur können - und dass Politiker sie lassen, dabei gerne helfen, vertuschen, und wie selbstverständlich die eigenen Taschen aufhalten. Die sorgsam gezüchtete und gehütete Lobbykratie ist undurchsichtig. Das stärkt das Gefühl, betrogen und manipuliert zu werden.
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Die Presse, die vierte Macht im Staat, unterliegt dem Druck der Sensationen, des News-Wertes, anstatt bedächtig über diese und andere unschöne Verquickungen aufzuklären. Entsprechend ergab eine [[2020-09-04 Medienkompetenz von Lehrerinnen Erstaunliche Vorstellungen|Umfrage unter Lehrern]] eine besorgniserregend große Skepsis gegenüber den Medien. Die Wissenschaft wiederum verspürt einen ganz ähnlichen Druck und steht einerseits unter Publikationszwang, andererseits müssen Ergebnisse wirtschaftlich verwertbar sein - was natürlich schon ganz am Anfang des wissenschaftlichen Prozesses, im Forschungsantrag und im werben um Drittmittel eine Rolle spielt. Alle zusammen spielen bei [FUD-Kampagnen](https://de.wikipedia.org/wiki/Fear%2C_Uncertainty_and_Doubt) mehr oder weniger gerne mit - schließlich sind sie alle dem Zwang unterworfen, Geld verdienen zu müssen. Zu guter Letzt werden für jeden Adressaten und Interessierten die passenden Informationen und die passenden alternativen Fakten für’s Internet produziert. Viele alternative Fakten sind spitzfindig gewobene Manipulationen - andere wiederum einfach nur Dummheiten. Medienkompetenz wird allerdings als Anhängsel der Digitalisierung, also irgendwas mit Internet, verstanden. Es bleibt jedem selbst überlassen, ob er die Bild-Zeitung oder obskure Internetquellen liest oder sich mit Zusammenhängen und Fakten befassen will. Das Wissen um Quellenkritik spielt in außeruniversitären Zusammenhänge keine Rolle. Nur so konnte es wohl geschehen, dass es seit dem Jahr 2020 nicht nur Fakten gibt, sondern eben auch “alternative Fakten”.
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Die Presse, die vierte Macht im Staat, unterliegt dem Druck der Sensationen, des News-Wertes, anstatt bedächtig über diese und andere unschöne Verquickungen aufzuklären. Entsprechend ergab eine Umfrage eine besorgniserregend große Skepsis gegenüber den Medien. Die Wissenschaft wiederum verspürt einen ganz ähnlichen Druck und steht einerseits unter Publikationszwang, andererseits müssen Ergebnisse wirtschaftlich verwertbar sein - was natürlich schon ganz am Anfang des wissenschaftlichen Prozesses, im Forschungsantrag und im werben um Drittmittel eine Rolle spielt. Alle zusammen spielen bei [FUD-Kampagnen](https://de.wikipedia.org/wiki/Fear%2C_Uncertainty_and_Doubt) mehr oder weniger gerne mit - schließlich sind sie alle dem Zwang unterworfen, Geld verdienen zu müssen. Zu guter Letzt werden für jeden Adressaten und Interessierten die passenden Informationen und die passenden alternativen Fakten für’s Internet produziert. Viele alternative Fakten sind spitzfindig gewobene Manipulationen - andere wiederum einfach nur Dummheiten. Medienkompetenz wird allerdings als Anhängsel der Digitalisierung, also irgendwas mit Internet, verstanden. Es bleibt jedem selbst überlassen, ob er die Bild-Zeitung oder obskure Internetquellen liest oder sich mit Zusammenhängen und Fakten befassen will. Das Wissen um Quellenkritik spielt in außeruniversitären Zusammenhänge keine Rolle. Nur so konnte es wohl geschehen, dass es seit dem Jahr 2020 nicht nur Fakten gibt, sondern eben auch “alternative Fakten”.
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> Die Bourgeoisie könnte ihre eigene Welt sprengen und ruinieren, bevor sie die Bühne der Geschichte verlässt. -- Buenaventura Durruti
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Reference in New Issue
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