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Murnauer Dialektik: während im Murnauer Kulturund Tagungszentrum der eigene Aufklärungswille (“Murnaus Weg zur Nazi-Hochburg: Forscherin dokumentiert, wie alles begann”[^1] titelt das Lokalblatt) gefeiert wird, braut sich keine 50 Meter weiter die braune Schlammgrube ihr nächstes, widerwärtiges Süppchen.
Montagabend, 12.10.2020. Under dem Deckmäntelchen der Aufklärung und der Gegnerschaft gegen die grassierende Corona-Pandemie versammelt sich Murnaus Bürgerschaft, um den selbsternannten Apologeten der “Freiheit” zu lauschen. “Grundrechte, Freiheit, Selbstbestimmung, Frieden durch Friedensvertrag”, so steht es auf der Ankündigung.
Um 18:30 Uhr ist es schon etwas dämmerig. Es verspricht eine seltsame Veranstaltung zu werden. Hysterisches Gekicher brandet hier und da auf, Kerzen brennen, Herzchen, bunt beleuchtet, werden geschwenkt. Eine seltsam ausgelassene Stimmung, regredierend in jugendliche Auflehnung. Selbstsicher sind sie, und sie wirken nicht so, also ob sie hier wären, um kritisch selbst zu denken.
Der Ankündigung ist zu entnehmen, dass der Reichsbürger und Holocaustrelativierer mit der Rechtsaußenideologin Ringelreihen spielen und die Plätze an der Front getauscht haben. Nachdem UE mitsamt GS bei Presse, Lokalpolitik und Exekutive under Beschuss geraten sind, treten sie, aus der zweiten Reihe, zwar noch auf, aber nicht mehr namentlich also Veranstalter. Dies übernimmt nun die Phänomenologin MBH, die locker aus der Hüfte den Atlantiskult bemüht, um Vergleiche zur “Coronazeit” zu ziehen. Und so ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen, falls nötig. So war das alles ja nicht gemeint. Kennt man.
[[Magdalena Börsig-Hover]] begrüßt die Teilnehmer, nach wenigen Minuten stellt sie klar, die Verwalterregierung habe die Pandemie beschlossen. Offenbar überhören die Zuhörer diese Punkte. Geschickt schwenkt sie wieder auf Liebe, Freiheit.
Sie streut hin und wieder ihre Rechtsaußenthemen, übliches Reichsbürgergewäsch, schwenkt dann aber im nächsten Satz wieder auf Freiheit, Friede, Liebe, wir sind Erwacht und ähnliches Zeug. So klatschen die Zuhörer, manchmal dann auch an der falschen Stelle. Die eindeutig rechten Talkingpoints werden nicht so sehr euphorisch bejubelt, es macht sich, wenn überhaupt, eher beschämt-gespannte Stimmung breit, die sich dann mit den Stichworten “Wir”, “Liebe”, “Freiheit” kathartisch bricht und erleichtert beklatscht wird. Ein übles Spiel, das die studierte Philosophin und wohl geübte Rednerin da spielt. Offenkundig hat sie ihr Training am Studienzentrum Weikersheim mit der Note 3+ absolviert.
Danach kommt der pensionierte Polizist [[Karl Hilz]] aus München, zünftig in Lodenmantel, Hut etc, der die Menge auf Bayrisch begrüßt, dem daraufhin sofort die Sympathien zufliegen. Kunstvoll lässt er Beifallpausen, ähnlich wie schon MBH. Diese Leute sind es gewohnt zu beeinflussen; jedenfalls sind sie gewohnt, vor Menschen zu sprechen. Der Polizist muss noch etwas üben, und ich fürchte, dass er noch genug Gelegenheit dazu haben wird.
Seine Argumentationslinie zieht sich über das Grundgesetz, die Menschenwürde ziemlich direkt zur Maskenpflicht, die ja ein Verbrechen gegen die Menschen ist, wiederum direkt zum Artikel 20, dem Widerstandsrecht. Juristisch nicht unbeleckt, stellt er aber klar, dass der einzige legale Weg des Widerstands über
Murnauer Dialektik: während im Murnauer Kultur- und Tagungszentrum der eigene Aufklärungswille (“Murnaus Weg zur Nazi-Hochburg: Forscherin dokumentiert, wie alles begann”[^1] titelt das Lokalblatt) gefeiert wird, braut sich keine 50 Meter weiter die braune Schlammgrube ihr nächstes, widerwärtiges Süppchen.
Montagabend, 12.10.2020. Under dem Deckmäntelchen der Aufklärung und der Gegnerschaft gegen die grassierende Corona-Pandemie versammelt sich Murnaus Bürgerschaft, um den selbsternannten Apologeten der “Freiheit” zu lauschen. “Grundrechte, Freiheit, Selbstbestimmung, Frieden durch Friedensvertrag”, so steht es auf der Ankündigung.
Um 18:30 Uhr ist es schon etwas dämmerig. Es verspricht eine seltsame Veranstaltung zu werden. Hysterisches Gekicher brandet hier und da auf, Kerzen brennen, Herzchen, bunt beleuchtet, werden geschwenkt. Eine seltsam ausgelassene Stimmung, regredierend in jugendliche Auflehnung. Selbstsicher sind sie, und sie wirken nicht so, also ob sie hier wären, um kritisch selbst zu denken.
Der Ankündigung ist zu entnehmen, dass der Reichsbürger und Holocaustrelativierer mit der Rechtsaußenideologin Ringelreihen spielen und die Plätze an der Front getauscht haben. Nachdem UE mitsamt GS bei Presse, Lokalpolitik und Exekutive under Beschuss geraten sind, treten sie, aus der zweiten Reihe, zwar noch auf, aber nicht mehr namentlich also Veranstalter. Dies übernimmt nun die Phänomenologin MBH, die locker aus der Hüfte den Atlantiskult bemüht, um Vergleiche zur “Coronazeit” zu ziehen. Und so ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen, falls nötig. So war das alles ja nicht gemeint. Kennt man.
[[Magdalena Börsig-Hover]] begrüßt die Teilnehmer, nach wenigen Minuten stellt sie klar, die Verwalterregierung habe die Pandemie beschlossen. Offenbar überhören die Zuhörer diese Punkte. Geschickt schwenkt sie wieder auf Liebe, Freiheit.
Sie streut hin und wieder ihre Rechtsaußenthemen, übliches Reichsbürgergewäsch, schwenkt dann aber im nächsten Satz wieder auf Freiheit, Friede, Liebe, wir sind Erwacht und ähnliches Zeug. So klatschen die Zuhörer, manchmal dann auch an der falschen Stelle. Die eindeutig rechten Talkingpoints werden nicht so sehr euphorisch bejubelt, es macht sich, wenn überhaupt, eher beschämt-gespannte Stimmung breit, die sich dann mit den Stichworten “Wir”, “Liebe”, “Freiheit” kathartisch bricht und erleichtert beklatscht wird. Ein übles Spiel, das die studierte Philosophin und wohl geübte Rednerin da spielt. Offenkundig hat sie ihr Training am Studienzentrum Weikersheim mit der Note 3+ absolviert.
Danach kommt der pensionierte Polizist [[Karl Hilz]] aus München, zünftig in Lodenmantel, Hut etc, der die Menge auf Bayrisch begrüßt, dem daraufhin sofort die Sympathien zufliegen. Kunstvoll lässt er Beifallpausen, ähnlich wie schon MBH. Diese Leute sind es gewohnt zu beeinflussen; jedenfalls sind sie gewohnt, vor Menschen zu sprechen. Der Polizist muss noch etwas üben, und ich fürchte, dass er noch genug Gelegenheit dazu haben wird.
Seine Argumentationslinie zieht sich über das Grundgesetz, die Menschenwürde ziemlich direkt zur Maskenpflicht, die ja ein Verbrechen gegen die Menschen ist, wiederum direkt zum Artikel 20, dem Widerstandsrecht. Juristisch nicht unbeleckt, stellt er aber klar, dass der einzige legale Weg des Widerstands über eine Besetzung der Basis der Parteien sei. Direkt nach diesen Ausführungen halluziniert er über die Demokratiehalluzination, in der wir leben, und referiert über Organisierte Kriminalität. Er reißt an, stellt in den Raum - ohne allzu konkret zu werden. Das Gesamtbild seiner Argumentation entsteht in den Köpfen der Zuhörer.
Ich halte es nicht länger aus, diese Spannung zwischen “harmlos” und hart rechts, und mache mich auf zu den Gegendemonstranten. Ganz am End der Wiese, hinter einem Flatterband, stehen etwa 40 Jugendliche mit Transparenten und Fahnen. Die Antifa. Punkrock. Immer wieder skandieren und singen sie.
Die Polizei ist zahlreich vorhanden, aber friedlich. Ganz zu Begin sehe ich, wie eine etwa 20jährige abgeführt wird, höre, dass sie nun EKD behandelt wird. Später treffe ich sie wieder, sie meinte nur Personalien und fertig. Ein Order raunt, die Polizei wäre doch selbst mit den Coronarebellen im Streit, ob man diese nicht doch Nazis nennen dürfe.
Am End der Veranstaltung müssen - bzw. wollen, denn es gäbe andere Wedge - einige der Rebellen recht nahe an der Gegendemo vorbei, und es wirkt, also ob manche gerne im Rampenlicht stehen. Eine ruft, auf das “Alerta!” hin: “glaubts ihr den Schmarrn echt selbst?”. Ich nehme ihr sogar ab, dass sie keine Ahnung hat, mit wem sie sich da einlässt. Auch Garmischs durchgeknallte Naziqueen sonnt sich in der Aufmerksamkeit. Plötzlich kommt Bewegung in die Sache. Eine Gruppe von etwa 10 Antifas geht flott und bestimmt den Weg entlang, den auch die Rebellen nehmen. Etwa gleich viel Polizei eilt hinterher.
[^1]: Über Jahre hatte Dr. Edith Raim geforscht. Am Montagabend präsentierte sie im Kulturund Tagungszentrum ihre herausragende, 750 Seiten umfassende Dokumentation “Es kommen kalte Zeiten”. Die Autorin recherchierte über das politische, soziale und kulturelle Panorama kleinstädtischen Lebens in der unruhigen Zeitspanne zwischen 1919 und 1950deutsche Geschichte, in Murnau komprimiert “wie in einem Brennglas”; zum Thema hatte sie schon eine sehenswerte Ausstellung im Schloßmuseum kuratiert. ([https://archive.is/Tpcvz](https://archive.is/Tpcvz))